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Zum Begriff Anthroposophie und zur anthroposophischen Geisteswissenschaft

Das Wort ‚Anthroposophie‘ ist eine Zusammensetzung der griechischen Worte >anthropos< (= Mensch) und >Sophia< (=Weisheit). Bezogen auf diese Zusammensetzung ist die wörtliche Übersetzung von ‚Anthroposophie‘ >Weisheit vom Menschen<.

Das Wort ‚Anthroposophie‘ ist keine Neuschöpfung von Rudolf Steiner. Bereits im 15./16. Jh. wurde der Begriff verwandt als >Kenntnis der natürlichen Dinge< oder als >Klugheit in menschlichen Angelegenheiten<. Und im späteren Verlauf wurde u.a. von den Philosophen Schelling und Fichte das Wort ‚Anthroposophie‘ als „Name einer neu zu begründenden Wissenschaft“ verwandt.

Rudolf Steiner hat das, was er unter ‚Anthroposophie‘ meint und versteht, in seinen Vorträgen wiederholt wie folgt knapp umrissen:

-  >Anthroposophie ist Bewusstsein seines Menschentums<

-  Anthroposophie ist eine >Versuchsmethode des allgemein – menschlichen und der allgemeinen Welterscheinung<

-  >Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte<.

Charakteristische >Herzstücke< der Steiner’schen Anthroposophie sind u.a.:

  1. Die Erkenntnis der „Dreigliederung“ (Trichotomie)

  2. Dreigliederung des Menschenwesen;

  3. Dreigliederung der „Grundkräfte der menschlichen Seele“;

  4. Dreigliederung des „sozialen Organismus“.

  5. Das Erkennen/Wissen von Wiederverkörperung (=Reinkarnation) und der Gesetzmäßigkeit von „selbstgeschaffenem Schicksal“ (=Karma)

Zu a): Der Mensch wird in der Anthroposophie nicht als ‚Zweiheit‘ (=Körper, Seele) aufgefasst, sondern als dreigliedriges Wesen (=Körper, Seele, Geist). Durch seinen Leib gehört er der Welt an, „die er auch mit seinem Leib wahrnimmt“. Durch seine Seele „baut er sich eine eigene Welt auf“. Und durch seinen Geist „offenbart sich in ihm eine Welt, die über die beiden anderen erhaben ist.“

Zur >Struktur des menschlichen Organismus< spricht Steiner davon, dass des Menschen „Denken, Fühlen und Wollen“ die drei „Grundkräfte der Seele sind. – Des Menschen Denken „hat seine körperliche Basis im Gehirn und weiter im ganzen – bis zu den Sinnesorganen hin auslaufenden – Nervensystem.“ Das Fühlen des Menschen „stützt sich auf die vor allem der Brustorganisation zugehörigen Rhythmen von Herz und Lunge.“ Und der Wille des Menschen „verbindet sich im Stoffwechsel und in den Gliedmaßen“ mit seiner physischen Organisation.

Die >Dreigliederung des sozialen Organismus< gliedert Steiner in „drei autonome, sich selber verwaltende Gebiete mit einer eigenen Organisation“: Die „Wirtschaftsorganisation“ übernimmt die Sorge „für den brüderlichen Anteil aller Menschen an den materiellen Gütern“. Das „Rechtssystem“ ist verantwortlich für die Garantie von „Gleichheit, wo Gleichheit sein muss“ (=Rechtsnormen, die – ohne Unterschied – Gültigkeit für jeden haben müssen.) Das „Freie Geistesleben“ gewährt die Freiheit (in Schulen, Forschungsstätten, Kunststätten, Museen usw.)“ in der Entfaltung und Ausübung aller kulturellen Fähigkeiten und Tätigkeiten.“

Zu b): Zur Wiederverkörperung (Reinkarnation) wird in der Anthroposophie u.a. das Folgende gesagt:

- Das menschliche Dasein „beginnt nicht mit der Geburt und endet nicht mit dem Tod“; sein Dasein findet vielmehr in einem Wechsel statt „zwischen diesseitigen und jenseitigen“ Existenzformen.

- Unter dem Gesetz der Wiederverkörperung steht ausschließlich „der Geist“ des Menschen (=sein „Ich“); der „Leib unterliegt dem Gesetz der Vererbung“ und die Seele des Menschen „unterliegt dem selbstgeschaffenen Schicksal“ (= sein Karma).

- Der „Geist des Menschen“ – sein „Ich“ – kehrt, „bereichert um die Erfahrungen eines vergangenen Erdenlebens“, jedes Mal „aus dem Jenseits immer wieder auf die Erde zurück“, um als irdisches Menschenwesen „neue Erfahrungen zu sammeln und sich weiter zu vervollkommnen.“

Und bezüglich des Karma kann – das Obenstehende berücksichtigt – Folgendes gesagt werden:

„Karma“, ein alter indischer Ausdruck, ist, obwohl es das „ausgleichende Schicksalsgesetz“ ist, nicht gleichzusetzen mit dem „morgenländischen Wort „>Kismet<“, welches ein „blind waltendes Schicksal“ meint. – Der Begriff >Karma< meint vielmehr, dass der Mensch „selber als Urheber seines Schicksals“ zu sehen ist. Diese Gesetzmäßigkeit von „selbstgeschaffenem Schicksal“ wirkt zwar „von der Vergangenheit her“ und verlangt in einem gegenwärtigen Leben „den Ausgleich von Versäumnissen und falschen Handlungen“. Doch die Einsicht dessen, dass man selber der „Urheber seines Schicksals ist“, nimmt einem sowohl die „Bitterkeit“-Empfindung der erlittenen „Schicksalsschläge“. Und zum anderen gibt die „Urheber-Einsicht“ den Impuls, „im gegenwärtigen Leben >gute Samen zu säen< für ein kommendes Leben“ – sowohl für sich selbst als auch für die Menschheits- und Erdenentwicklung.

Zusammengetragen und interpretiert: Hildegard Landwehr Oldenburg im Oktober 2009 (Gründungsmitglied und ehem. Vorstandsmitglied)

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Literatur: anthromedia, Internetportal Anthroposophie 11/2007; Baumann, A., „Wörterbuch der Anthroposophie“; Glöckner, M., Dr. med., „Anthroposophische Pflege“; Broschüre „Anthroposophische Pflege“ in >2009-r.heine-www.vfap.de< 

 

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