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Anthroposophische Pflege; ein ‚Arbeitsfeld‘ der Anthroposophie

1.) Allgemeine Anmerkungen zum Begriff Pflege

Der Begriff ‚Pflege‘ umfasst zum einen das pflegerische (pflegliche) Umgehen mit Sachgütern (z.B. Gartenpflege, Bekleidungspflege, Autopflege). Zum weiteren umfasst der Begriff ein Pflegen zwischenmenschlicher Beziehungen (= z.B. Partnerschaft, Kollegen, Freundschaften, Familie). – All diesem Pflegerischen ist gemeinsam, dass es a) eine sich stets wiederholende Tätigkeit ist und dass sie b) stets Einsatz und Mühe bedeutet.

Weiterhin gilt noch:

- Im Falle von Krankheit und Gebrechlichkeit sind wir alle auf die Pflege durch andere Menschen angewiesen.

- Wenn seitens Familie oder Freunden Bekannten die pflegerische Aufgaben nicht (oder nicht angemessen) erfüllt werden können, ist die Inanspruchnahme der Hilfe von professionell Pflegenden (z.B. ambulante Pflegedienste) erforderlich.

2.) Anthroposophische Pflege

Charakteristisch für die anthroposophische Pflege ist ein Handeln nach den folgenden zwölf Gesten: Raum schaffen, Einhüllen, Ausgleichen und Harmonisieren, Anregen und Reizen, Belasten, Erwecken, Bestätigen, Aufrichten, Reinigen, Ernähren, Entlasten, Abwehren. Diese zwölf Gesten in der anthroposophischen Pflege haben immer das Ziel, „im Schutz der Hülle gebenden Pflege dem betroffenen Menschen wieder zur Selbständigkeit und Autonomie“ zu verhelfen oder „zu einem menschenwürdigen Dasein“.

Im Unterschied zu normalen professionellen Pflegetätigkeiten / Pflegediensten findet in der anthroposophischen Pflege eine Erweiterung der Pflege statt durch

* „ Maßnahmen wie Wickel, Auflegen und Einreibungen“. *

Diese Maßnahmen beruhen auf einem „umfassenden Verständnis der leiblichen, seelischen und geistigen Bedürfnisse des zu Pflegenden“. Und sie erfordern „in unterschiedlicher Ausprägung“ die Beachtung der oben genannten zwölf Gesten.

Wesentlich für alle Äußerungsformen des Pflegens ist Wärme. Sie ist seelisch, körperlich und geistig die wohl wichtigste Begegnungsebene in der anthroposophischen Pflege. Diese Beziehungsebene enthält sowohl den „Händedruck“ und den „Blick in die Augen“ als auch die „Ansprache“ und „Berührung“. Denn nur durch Wärmebezeugungen in der Form von Fürsorglichkeit und Herzlichkeit kann sich der Pflegende geborgen und in seiner Persönlichkeit und Leidenssituation angenehm fühlen. – Wärme ist zudem eine wesentliche Grundbedingung dafür, „dass der Körper des Pflegebedürftigen selbst mit einer Krankheit gut fertig werden kann.“ Mit äußeren Anwendungen wie Bäder, Wickeln, Auflagen und Einreibungen“ lässt sich der Wärmeorganismus wieder anregen und die Starre lösen“ (z.B. in der Nierengegend, bei Rheuma, bei Diabetes, im Rückenbereich etc.)).

Kurze Skizzierung von Einreibung / Wickel etc. und von Bewegung / Aufrichten:

- Bei der im Sitzen oder Liegen erfolgenden Einreibung, bei welcher „der Körper nur an den zu behandelnden Stelen aufgedeckt und anschließend sofort wieder zugedeckt“ wird, „um die Wärmehülle zu erhalten“, handelt es sich um einen „Dialog zwischen Händen und Leib“ und ist eine „Begegnung auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene“. Aufgrund von ‚Dialog‘, ‚Begegnung auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene“. Aufgrund von ‚Dialog‘ ,‘Begegnung‘ und heilsamer Pflegesubstanz hat die Einreibung eine umfassend heilsame Wirkung.

- Die Anwendung von Wickel, Kompressen, Auflagen und Bädern ist ebenfalls ein wichtiges Element der anthroposophischen Pflege. Die Einsatzbereiche dieser äußeren Anwendung sind vielfältig. So kann z.B. ein „Wickel mit Schafgarbe den Leberstoffwechsel anregen, eine Quarkkompresse Entzündungen dämpfen, eine Sauerklee-Auflage die Darmtätigkeit anregen (und) ein Senf-Fußbad Kopfschmerzen lindern.“

- Bewegung und Aufrichten sind in der anthroposophischen Pflegetätigkeit wichtige Ziele „in der Pflege, auch bei Schwerstkranken.“

Aufrichten meint nicht nur „die bloße körperliche Senkrechte“, sondern auch die Hilfe dazu, dass sich der Pflegende „selbst zwischen Himmel und Erde zu stellen“ vermag; dass er also „innerlich zur Aufrichte findet“ und sich „der Welt selbstbewusst gegenüberstellt“.

Bewegung ist – und vermittelt – „Ausdruck von Lebensfreude, Schaffenskraft und Energie“. – Wenn die Bewegung aus eigener Kraft nicht möglich ist, „können Pflegende die Gliedmaßen passiv durchbewegen“. Einen zu Pflegenden derart zu bewegen (und vielleicht „sogar zum Sitzen oder Stehen aufzurichten“) bedeutet in ihm einen Menschen zu sehen, der seine Umwelt „etwas mitzuteilen hat, auch und obwohl er pflegebedürftig ist. Er ist nicht jemand Abhängiges, den es zu bemuttern gilt, sondern ein eigenständiges, gleichberechtigtes Gegenüber.“ Wichtig ist dabei auch, einem zu Pflegenden „etwas zuzutrauen“, was er selbst vielleicht noch nicht erkennt. Es kann ein neuer Lebenswille aus dem Neuentdecken erwachsen.

Die Pflegenden der anthroposophischen Pflege – sowohl der stationären Pflegebereiche als auch der ambulanten Pflegedienste – empfinden als ganz besonders wesentlich im Wissen und Handeln das Folgende:

„In jedem Menschen, wie wenig er ein seiner physischen Präsenz auch greifbar sein mag, schlummert ein unversehrter Wesenskern, ein unzerstörbares Ich.“ Dieses unzerstörbare Ich ist „zu erkennen, zu achten und (in seiner) Entwicklung zu fördern.“ Dieser menschliche Wesenskern ist „bis zum letzten Atemzug“ zu respektieren, denn „bis zur Sterbesekunde hat jeder Mensch die Möglichkeit, sein Ich zu entfalten und zu entwickeln.“

Zusammengetragen und interpretiert: Hildegard Landwehr Oldenburg im Oktober 2009 (Gründungsmitglied und ehem. Vorstandsmitglied)

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Literatur: anthromedia, Internetportal Anthroposophie 11/2007; Baumann, A., „Wörterbuch der Anthroposophie“; Glöckner, M., Dr. med., „Anthroposophische Pflege“; Broschüre „Anthroposophische Pflege“ in >2009-r.heine-www.vfap.de< 

 

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